6. Mai 2026

Kuscheltiere in der Schule

Originell ist er schon, dieser „Kuschelburger“

Titelbild für Beitrag: Kuscheltiere in der Schule

Kinder, Jugendliche und manchmal sogar Erwachsene schätzen sie: Kuschelwesen in allen möglichen und unmöglichen Formen und Farben. Warum?

Manche dieser Geschöpfe begleiten ganze Lebensabschnitte. Halt und Tröster sind sie. Stets verfügbar und liebenswert. Zeit haben sie für mich. Immer hören sie mir zu. Sie widersprechen mir nicht. Spürbar und greifbar sind sie: Wenn mir in manchen Momenten zum „himmelhohen Jauchzen“ zumute ist. Kuscheltiere lassen mich nicht im Stich. Sie sind ansprechbar, verfügbar und berührbar. Auch und gerade in Momenten, in denen ich alles andere als „gut“ drauf“ bin. Da soll ja mal vorkommen in meinem (Schul-)Alltag.

Es gibt sie: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihr Kuscheltier überall hin mitnehmen. Als Kuschelobjekt. Als Talisman. Als Erinnerung an schöne Stunden. Sie drapieren sie in Sichtweite nicht nur im Bett oder auf einer Couch. Bei ihrem Anblick erinnern sie sich an Situationen, in denen sie glücklich waren. Aus den unterschiedlichsten Gründen haben sie ihnen viel mehr als einem humanen Gegenüber erzählt. Tagsüber oder nachts, wenn sie nicht oder nicht mehr schlafen konnten. Der ideelle Wert eines Kuscheltiers kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Andere materiellen Güter erreichen dieses Niveau nicht. So habe auch ich immer noch meinen ersten Teddy, den ich zu meinem ersten Geburtstag von meinen Eltern bekommen hatte. Total „abgeliebt“ ist er. Geflickt und ausgebessert. Und er hat nur noch ein Auge. Aber ich würde ihn nicht hergeben.

Es muss nicht immer ein Teddy sein. Dass sich kulinarische Leidenschaften damit ebenfalls sichtbar verbinden und zum Ausdruck bringen lassen, zeigt der, den ich als „Kuschelburger“ bezeichne. Im Hort war ein Schüler damit unterwegs.

Fastfood ist für die einen das Größte. Andere sind ob dessen Nährwert und Fettgehalt eher nicht so empathisch oder enthusiastisch. Der abgebildete „Kuschelburger“ schafft es, Kinderherzen und auch die von Mama und Papa zu verzaubern. Nicht wegen seiner Kalorienfreiheit, sondern aus anderen Gründen: Essbar ist er ja nicht. Er macht auf andere Weise satt. Weil er weich und anschmiegsam ist. Ob dieser „Kuschelburger“ auch deswegen so ansprechend ist, weil er lächelt? Weil er noch etwas zu lachen hat?

Auch Grundschulkinder bekommen bewusst oder unbewusst oft mehr von Krisen, Sorgen, Ängsten und Schwierigkeiten mit als manche Erwachsene meinen. Umso wichtiger ist es meiner Ansicht nach, dass junge Menschen auch das Gegenteil dessen erleben und erfahren dürfen: Etwas, das ihnen Halt gibt. Das ihnen wirklich zuhört. Das sie wärmt. Dem sie sagen können. Das sie nicht unter Druck setzt. Keine übergroßen Erwartungen hat an sie, denen Kinder oder Jugendliche nicht gerecht werden können. Der „Kuschelburger“ kritisiert nicht. Er macht keine Vorhaltungen für das, was jemand versäumt oder nicht geschafft hat. Er ist einfach da. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Sicherlich kann ein „Kuschelburger“ ein menschliches Gegenüber nicht ersetzen. Weil er nicht umarmen, nicht sprechen und verbal keinen Mut machen kann. Weil er sich nicht auf meine momentane Stimmung einstellen kann. Weil er immer dieselbe Mimik zeigt und unbeweglich bleibt. Es sei denn, er wird durch die Gegend geworfen, was bei Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Gründen durchaus vorkommen kann. Nicht nur im Hort St. Franziskus.
„Kuschelburger“ retten nicht die Welt. Doch können sie nonverbal manchmal mehr unterstützen als anderes. Deswegen sind sie wertvoll und wichtig. Wie andere Stofftiere auch – ganz gleich, wie groß sie sind oder welche Farben und Formen sie haben.

Zu allen Zeiten waren und sind Menschen unterschiedlich. Nicht nur von ihrem Äußeren oder von ihrem Inneren her. Manche halten sich für besser als andere. Meinen, bedeutender, wichtiger oder „größer“ zu sein als ihr Gegenüber. Unabhängig von ihrer Ausbildung oder ihrer Qualifikation. In der Bibel steht im Mattäusevangelium im 18. Kapitel etwas vom „Rangstreit der Jünger“. Auf die Frage, wer „im Himmelreich der Größte“ (vgl. Mt. 18, 1) sei, stellt Christus ein Kind in die Mitte. „Wer sich so klein machen kann wie ein Kind, der ist im Himmelreich der Größte!“ (Mt. 18, 4). Da werden sie geschaut haben. Jene, die dabei waren. Ob wir Erwachsenen nicht im übertragenen Sinn wieder Kinder werden können? Menschen, die sich sogar über Kleinigkeiten unglaublich freuen. Vielleicht sogar über einen „Kuschelburger“.

Br. Clemens Wagner ofm, Schulseelsorger